Freitag, 10. November 2017

Hausverbot!

Unsere Kollegen von der Print-Abteilung habens auch nicht leicht ...

Wo ist die Liebe? Oberhauser Notruf!

"Jetzt muss ich als Alki schon dem Drogi helfen"

In Oberhausen hausen die Monster ...

Marion Friedrich berichtet von einem leblosen Hilflosen am Oberhauser Bahnhof:


Mensch, oh Mensch: Eben bin ich durch die Oberhausener Unterführung geradelt - ein Mann lag reglos auf dem Rücken, ein anderer versucht, seinen Puls am Hals zu erwischen, ein dritter steht fünf Meter abseits mit dem Handy am Ohr.

Natürlich halte ich an, knie mich dazu: "Hat er Puls? Ist ein Notruf abgesetzt?" Verblüfft schaut mich der an, der dem am Boden Liegenden gerade den Pus nimmt.

"Ja, er hat Puls, und der da hinten ruft gerade an. Gehen Sie lieber weg, der da hat Drogen genommen, der wird aggressiv."

"Das macht mir gerade wenig Angst. Lassen Sie ihn uns in die Seitenlage drehen." (Was anderes fällt mir auch gerade nicht ein, außer, die eiskalte Hand des am Boden Liegenden in meine zu nehmen und ihm Trost zuzusprechen.

Mein Opa hat mir große Hände vererbt, die können sehr gut andere wärmen. "Ich mache das, wir kennen uns, nicht, dass er Ihnen noch was tut!", der Helfer selbst hat blutunterlaufene Augen, eins davon ist blau geschlagen und er sieht nicht wirklich gesund aus. 

Der dritte kommt dazu: "Das passiert ständig, ich weiß schon, was ich dem Notarzt sagen muss, jetzt muss ich als Alki schon dem Drogi helfen, das geht doch nicht!"
Der Bewusstlose kommt zu sich, wird ansprechbar, "Wir werden Sie nur in die Seitenlage, damit Sie besser atmen können", sage ich, und er scheint zu nicken. 

"Noch nie blieb jemand stehen, vielen Dank. Vielen Dank. Danke!" wiederholt sich sein Kumpel. Er ruft es mir noch nach, als ich schon wieder auf meinem Rad sitze und weiterfahre, weil die Sanitäter kommen.
 
Wie kann das sein, frage ich mich, wie kann es sein, dass wir nicht versuchen zu helfen? 

Wie kann es sein, dass wir uns anmaßen, darüber zu urteilen, dass jemand selbstverschuldet sein Leid verursachte und damit keine Hilfe verdient? 

Wie kann es sein, dass wir vorüber eilen, wohin auch immer es uns treibt, keinen Blick an den Nächsten wenden? 

Wann haben wir angefangen, uns als Schicksalsbestimmer aufzuspielen?

Wo ist die Liebe, frage ich mit Sebastian Frisch. Wo ist sie nur hin?